Vladimír Mečiar

Geboren: 26. Juli 1942 in Zvolen (Altsohl)
Ministerpräsident der Slowakei von Januar 1990 bis April 1991, von Juni 1992 bis März 1994 und von Dezember 1994 bis September 1998.

Mečiar war der erste Ministerpräsident der souveränen Slowakischen Republik. An kaum einem anderen Politiker der Slowakei scheiden sich derart die Geister wie an Vladimír Mečiar. Populär aufgrund seiner antikommunistischen Rolle im Prager Frühling und während der Samtenen Revolution sowie der Sympathie als erster slowakischer Premierminister und Verteidiger der nationalen slowakischen Interessen gegenüber Europa - verpönt wegen seiner lange Zeit anti-westlichen Haltung beim Thema EU- und NATO-Beitritt, wegen verbaler Entgleisungen in der Öffentlichkeit, angeblichen Menschenrechtsverletzungen und Korruptionsverdacht.

Wegen seinem selbstherrlichen Regierungsstil zweimal vom Parlament gestürzt (1991 und 1994) schaffte er es jedes Mal wieder, an die Macht zu gelangen. Dabei half Mečiar eine treue und disziplinierte Stammwählerschaft, die ihn zuletzt bei den Präsidentschaftswahlen im April 2004 in die Stichwahl brachte, während die anderen Kandidaten zum Teil auch unter der geringen Wahlbeteilung litten.

Seine politische Laufbahn begann Mečiar im Kommunistischen Jugendverband, ab 1962 Mitglied der tschechoslowakischen KP. Als er 1970 wegen seiner Rolle im Prager Frühling aus der KP ausgeschlossen wird, arbeitet er zunächst in einem Stahlwerk und absolviert nach Abendkursen an der Comenius-Universität in Bratislava ein Jura-Studium. Während der Samtenen Revolution beteiligt er sich aktiv an der Bewegung «Öffentlichkeit gegen Gewalt» (VPN) und wird im Januar 1990 erster Innenminister der Slowakei. 

Im im Juni 1990 wird Mečiar zum ersten frei gewählten Ministerpräsidenten. Nach Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierungsparteien stürzt ihn der Nationalrat am 23. April 1991 und ersetzt ihn durch Ján Carnogurský. Daraufhin verlässt Mečiar die VPN und gründet die «Bewegung für eine demokratische Slowakei» (HZDS). Im Juni 1992 gelingt Mečiar bei den Wahlen jedoch ein erneuter Sieg. Nach der Unabhängigkeit der Slowakei zum 1.1.1993 ist er somit der erste Ministerpräsident der Slowakei.

Als er im März 1994 die Regierungsmehrheit verliert, wird er abermals vom Parlament gestürzt und diesmal durch Józef Moravčik abgelöst. Doch schon sechs Monate später kann er sich in den Parlamentswahlen erneut durchsetzen. Als Anfang 1998 kein Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Michal Kovac gefunden wird, hat Mečiar sogar präsidiale Vollmachten, verliert im September 1998 jedoch die Parlamentswahlen und zieht in die Opposition ein. 1999 unterliegt er Rudolf Schuster in der Stichwahl zum Staatspräsidenten.

Seitdem schlägt Mečiar einen pro-westlichen Kurs ein, unterstützt nun auch den EU- und den NATO-Beitritt des Landes. Im April 2004 erreicht Mečiar bei den Wahlen zum Staatspräsidenten erneut die Stichwahl, verliert aber diesmal gegen seinen alten Weggefährten Ivan Gašparovič.

Letzte Änderung: 15.5.2005
Die Slowakei im Net