Atomkraftwerke BohuniceVor allem die Kraftwerke am Standort Bohunice bei der OrtschaftDie Anlage V1 umfasst zwei Reaktoren sowjetischer Bauart vom Typ WWER440/230. Die Reaktoren gingen im März 1980 (I) und Januar 1981 (II) in Betrieb. Block I wurde gemäß EU-Beitrittsvertrag am 31.12.2006 abgeschaltet. Block II wurde Ende 2008 geschlossen. Im Januar 2009 geriet die Anlage V1 in die Schlagzeilen, als wegen der Gaskrise in Europa die Wiederinbetriebnahme des Blocks II diskutiert wurde. Dies führte zu harscher Kritik seitens der EU und vor allem Österreichs. Die beiden Reaktoren der Anlage V1 besitzen weder Notkühlung noch Schutzhülle (Containment). Die Anlage V2 mit den Blöcken III und IV, die 1985 in Betrieb ging, wurde auf westliche Sicherheitsstandards nachgerüstet und soll 2015 abgeschaltet werden. Die Anlagen sind ebenfalls sowjetischer Bauart vom abgewandelten Typ WWER-440/213. Mittlerweile drängt die Slowakei jedoch darauf, dass die Anlage V2 auch nach 2015 weiter betrieben werden kann. Die Regierung plant jedoch den Bau weiterer Reaktorblöcke am Standort Bohunice. Die Anlage V3 könnte 2020 in Betrieb gehen und würde nach Analyse des Wirtschaftsministeriums nach heutigem Stand zwischen vier und fünf Millionen Euro kosten. Die Leistung der gesamten Anlage würde zwischen 1.000 und 1.600 Megawatt betragen. Die bisher im Betrieb befindlichen Reaktoren erbringen Leistungen zwischen 408 und 420 Megawatt je Reaktor. |
Zweifelhafte Idylle: |
Wasserkraftwerk GabčíkovoEin anderes Kraftwerk, das für viel Aufsehen sorgte, ist das Wasserkraftwerk Gabčíkovo.Nachdem es in den 50ern und 60ern zu großen Überschwemmungen der Gebiete um die Donau gekommen war, unterzeichneten Ungarn und die Tschechoslowakei 1977 ein Abkommen zum Bau des Wasserkraftwerkes Gabčíkovo–Nagymaros. Geplant waren je ein Kraftwerk in Gabčíkovo und eines im 120 km entfernten ungarischen Nagymaros. Nachdem Ungarn das Projekt 1981 zunächst aus finanziellen Gründen aussetzen wollte, wurden später ökologischen Bedenken angeführt, die durch eine Unterschriftenaktion ungarischer Umweltschützer untermauert wurde. Immerhin hätte die Donau auf rund 200 km eingedeicht werden müssen. 1989 stellte die ungarische Seite alle Arbeiten an dem Projekt ein. Was folgte, waren zahlreiche öffentliche Auseinandersetzungen. Die Tschechoslowakei beharrte auf der Einhaltung der Verträge von 1977. Ungarn protestierte gegen die Umleitung des Grenzflusses bei Čunovo auf slowakisches Territorium. Trotzdem wurde der Kanal am 24.10.1992 geflutet. Die Variante C mit der Umleitung der Donau bei Čunovo war die einzige Möglichkeit der Slowakei, das Projekt auf slowakischem Boden umzusetzen. Am 25.9.1997 entschied der internationale Gerichtshof in Den Haag, dass beide Länder internationales Recht verletzt haben. Trotzdem gelte der ursprüngliche Vertrag. Den Regierungen aus Ungarn und der Slowakei wurde nahe gelegt, eine umweltschonendere Umsetzung auszuhandeln. Doch obwohl 1998 ein Rahmenabkommen geschlossen wurde, ist bis heute keine endgültige Einigung erreicht worden. So steht das Gabčíkovo-Projekt sinnbildlich für das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Slowaken und Ungarn. Rund 80% des Wassers der Donau werden bei Čunovo (ca. 10 km von Bratislava entfernt) in einen Kanal umgeleitet, der parallel zum alten Donaubett läuft und bis zu 700 m breit ist. Der 38,5 km lange Kraftwerkskanal mündet bei dem slowakischen Ort Sap wieder in das ursprüngliche Flussbett. Nach 16,7 km steht das Kraftwerk mit 8 Kaplan-Turbinen, die eine Leistung von jeweils 90 MW haben. Das Kraftwerk Gabčíkovo ist das größte Kraftwerk der Slowakei und erzeugt rund 11% des nationalen Strombedarfs. Bis heute gibt es Proteste von Umweltschützern, die die Waldbestände und Auenlandschaften des ehemaligen Donau-Hauptarmes in Gefahr sehen. Bilder Auf der rechten Seite sehen Sie von oben nach unten: 1. Stauwehr 2. Straße über den Staudamm 3. Info-Tafel 4. Staustufe 5. altes Donau-Flussbett heute |
|
Dem Ruf nach mehr erneuerbaren Energien kam die Slowakei mit dem Bau des
Wasserkraftwerkes Gabčíkovo nach. Das Projekt, das zunächst gemeinsam mit
Ungarn gestartet wurde, geriet in die Schlagzeilen, als Ungarn die vereinbarte
Staustufe bei Nagymaros aus Kostengründen einstellte. Die Slowakei baute das
Kraftwerk schließlich alleine zu Ende. Dies gilt auch als Schritt in Richtung
Unabhängigkeit von ausländischen Energie- und Rohstofflieferanten, denn auch
das Uran für die Atomkraftwerke wird schließlich aus Russland importiert.
Im Jahr 2002 schrieb die Slowakei die Slowakischen Elektrizitätswerke (SE), in
deren Besitz sich auch die Atomkraftwerke Mochovce und Jaslovské Bohunice
befinden, zur Privatisierung aus. Die SE sollen zu 49% privatisiert werden. Außerdem
behält sich der Staat ein Vetorecht vor, für Fälle, in denen nationale
Interessen tangiert werden.