Slowakei - Politik- und Wirtschafts-Nachrichten
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Kritik an der verschlechterten Pressefreiheit in der Slowakei (Oktober 2009)
2009 verlor die Slowakei im Ranking der Reporter ohne Grenzen 37 Plätze und
fiel damit auf Platz 44 zurück.
Diskussion
im Forum
Präsidentschaftswahlen 21. März und 5. April 2009
Am 21.3.2009 fanden in der Slowakei Präsidentschaftswahlen statt. Dazu hatten sich 7 Kandidaten aufstellen lassen. Nur zweien von ihnen
wurden reelle Chancen eingeräumt:
1.) dem 67-jährigen Amtsinhaber
Ivan Gašparovič
2.) seiner 52-jährigen Rivalin
Iveta Radičová
Die ehemalige Arbeits- und Sozialministerin wurde von drei konservativen Oppositionsparteien aufgestellt und gilt als Geheimfavoritin. Gašparovič ist zwar sehr populär. Trotzdem
zweifelten viele daran, dass er in der ersten Runde die erforderlichen 50 Prozent der Stimmen erreichen kann.
Und diese Einschätzung bewahrheitete sich. Nach der ersten Runde lag Ivan Gašparovič
nur knapp vor Iveta Radičová, was von Experten als Ohrfeige für die
amtierende Regierung gewertet wurde. Die beiden verbliebenen Kontrahenten traten
am 5. April in einer Stichwahl erneut gegeneinander an. Gašparovič konnte sich
mit 55% nur knapp durchsetzen, geht aber trotzdem in die Geschichte ein, als
erster Präsident der seit 1993 bestehenden Slowakei, der zwei Amtszeiten in
Folge erlebt.
Präsidentschaftswahlen
Slowakei 2009 im Slowakei-Net.de-Forum
1. Januar 2009: Der Euro wird neue Währung in der Slowakei
Nach anfänglicher Skepsis der Bevölkerung findet der Euro in der Öffentlichkeit
zum Start der neuen Währung breite Zustimmung. Der Euro scheint zum richtigen
Zeitpunkt zu kommen. Die weltweite Wirtschaftskrise wäre ohne den Beitritt zur
Eurozone vermutlich deutlich abgewertet worden. So jedoch ist der Wechselkurs
von 30,1260 SKK festgeschrieben, was dem kleinen Staat in schwierigen
Rahmenbedingungen ein Plus an Stabilität bringt.
Rückblick: EU beschließt Euro-Umtauschkurs für Slowakei (Juni/Juli 2008)
Nach den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union stimmten im Juli
auch die EU-Finanzminister einstimmig dem Beitritt der Slowakei zum gemeinsamen
Währungsgebiet mit dann gut 325 Millionen Menschen zu.
Der EURO wird somit am 1. Januar 2009 zur offiziellen Währung in der Slowakei.
Der Wechselkurs wurde auf 30,126 Kronen je Euro festgelegt. Die Währungsunion
wird damit auf 16 Länder wachsen. Die Slowakei ist nach Malta, Slowenien und
Zypern das vierte der neuen EU-Länder, das der Euro-Zone beitritt. Im Vorfeld
des Entscheids zur Euro-Einführung wurde die slowakische Währung bereits um
rund 17 Prozent aufgewertet.
Der Grund für die Aufnahme der Slowakei in den EURO-Club sind wohl die hohen
Wachstumsraten der letzten Jahre. Weitere Beitrittskandidaten gibt es in nächster
Zeit nicht.
Rückblick: Die Slowakei tritt dem Schengener Abkommen bei (Dezember 2007)
Ab 21.12.2007 fallen die Grenzkontrollen zwischen der Slowakei und den anderen
Staaten des
Schengener Abkommens.
Die Kontrollen im Flugverkehr werden jedoch noch bis März 2008 aufrecht
erhalten.
Rückblick: Vorgezogene Parlamentswahlen (Juni 2006)
Die vorgezogenen
Parlamentswahlen
2006 haben einen Regierungswechsel herbeigeführt. Róbert Fico vereinigt
mit seiner Partei Smer (Richtung) 29,1 % der Stimmen auf sich und kommt damit
auf 50 von 150 Parlamentssitzen. Der bisherige Regierungschef Mikuláš Dzurinda
kam mit seiner Partei SDKÚ auf überraschende 18,4 %. Fico wurde nun mit
der Regierungsbildung beauftragt.
Rückblick: Diskussion um unzureichende Maßnahmen gegen Vogelgrippe (Oktober
2005)
In der Slowakei ist eine Diskussion um unzureichende Maßnahmen gegen eine
mögliche Vogelgrippe-Pandemie entbrannt. Es gebe keinen Krisenplan und nicht
genügend Impfstoff im Falle einer Pandemie. Auch auf die Aufforderung der
Weltgesundheitsorganisation habe die Slowakei mit Verspätung reagiert,
kritisierte der Slowakische Virologe Prof. Fedor Ciampor. Der Staatsbeauftragte
für Hygiene musste darauf hin zurücktreten. Gesundheitsminister Zajac hält
die Kritik dagegen für überzogen und warnte vor einer Panik.
Rückblick: Wirtschaftsminister Pavol Rusko entlassen (September 2005)
Der Wirtschaftsminister der Slowakei Pavol Rusko wurde wegen undurchsichtiger
Finanztransaktionen entlassen. Es war auch von Amtsmissbrauch bei den
Verhandlungen über die Anteile an der Öltransportfirma Transpetrol mit dem
russischen Ölkonzern Yukos die Rede. Anschließend wurde auch Ruskos Partei ANO
aus der Regierungskoalition ausgeschlossen und durch die Gruppe um Lubomir
Lintner ersetzt. Gesundheitsminister Zajac und Kultusminister Toth, ebenfalls
Angehörige der Partei ANO, bleiben aber im Amt.
Der Vorgang, der zu einer tagelangen Beschlussunfähigkeit des Parlaments geführt
hatte, zog zahlreiche Klagen unter den Parlamentsmitgliedern nach sich. Zudem
wurden immer wieder vorgezogene Neuwahlen ins Gespräch gebracht, die Premier
Dzurinda aber zunächst ausschloss.
Rückblick: Ministerpräsident Dzurinda entgeht Misstrauensvotum (Juli 2005)
Der Nationalrat (das slowakische Parlament) der Slowakei hat Premier Dzurinda weiterhin das Vertrauen ausgesprochen. Das von Smer-Chef Róbert Fico
eingebrachte Misstrauensvotum scheiterte damit. Der Abstimmung war eine heftige
Debatte im Nationalrat vorausgegangen, die sich zuletzt zu einem Duell zwischen
Fico und dem ehemaligen Premier Mečiar zuspitzte. Mečiar hatte den
Standpunkt vertreten, dass das Parlament bei einem Misstrauensvotum zur
Propagierung der Partei Smer missbraucht würde.
Rückblick: Streit um die Position der Slowakei im Irak
Smer-Chef
Róbert Fico hat die slowakische Regierung für ihre Entscheidung
kritisiert, bei möglichen Entführungen slowakischer Soldaten nicht mit den
Terroristen zu verhandeln. Damit folgte Premier Dzurinda einem Aufruf der
bulgarischen Regierung unter den Verbündeten im Irak. Fico akzeptierte nicht,
dass die Regierung vor der Verlautbarung der Entscheidung nicht das Parlament
konsultiert habe.
Dzurinda erklärte seinerseits, die Aussagen Ficos seien «für die Slowakei sehr
schädlich». Die slowakischen Soldaten befänden sich auf Einladung der
irakischen Regierung im irakischen Krisengebiet und beteiligen sich vor allem an
Entmienungsarbeiten.
Rückblick: EURO-Einführung und Atomkraft
Die Slowakei will laut Finanzminister Ivan Mikloš bis 2008, spätestens jedoch
bis 2009 der Euro-Zone beitreten. Dazu muss die Neuverschuldung bis 2006 bzw.
2007 unter die Marke von drei Prozent des Bruttoinlandproduktes gesenkt werden.
Zwei Jahre nach der Erfüllung der Maastricht-Kriterien ist für die Slowakei
die Einführung der Einheitswährung theoretisch möglich.
Für Kritik hat eine Aussage des slowakischen Wirtschaftsministers Pavol Rusko
gesorgt. In einem Interview mit einem österreichischen Radiosender hatte Rusko
geäußert, die Slowakei wolle kein Stromimporteur werden. Das Atomkraftwerk
Mochovce werde auf jeden Fall fertig gestellt. Vor allem in Österreich, das als
Nachbarstaat direkt betroffen wäre, sieht man das Vorhaben der Slowaken als
Vertrauensbruch - ging es bei den Beitrittsverhandlungen der Slowakei zur EU
doch stets um frühzeitige Stilllegungen der Atomkraftwerke.
Rückblick: Präsidentschaftswahlen im April 2004
Ex-Parlamentspräsident Ivan Gašparovič (63) konnte sich in der Stichwahl der
Präsidentschaftswahlen am 17.4.2004 überraschend durchsetzen. Er vereinigte 59,91
Prozent der Stimmen auf sich und gewann damit klar gegen Ex-Ministerpräsident Vladimir Mečiar
(61). Der Sieger des ersten Wahlganges kam nur auf 40,09 Prozent
der Stimmen.
Experten sehen den Grund für Gašparovičs Wahlsieg in der Angst vor einer
erneuten außenpolitischen Isolation der Slowakei, die ein Wahlsieg
Vladimír
Mečiars
nach dem Glauben der Wähler mit sich gebracht hätte.
Ivan
Gašparovič wird zwar
von vielen Slowaken nicht viel anders eingestuft als sein langjähriger Weggefährte
und ehemaliger Parteifreund. Doch ist man sich bewusst, dass Gašparovič im
Ausland weniger bekannt ist. Gašparovič wird nun an seinen Taten gemessen
werden.
Der neue Präsident hatte gleich nach seinem Wahlsieg angekündigt, «Präsident aller Slowaken»
sein zu wollen. Nebenbei sei er von seinem hohen Vorsprung bei der Wahl überrascht
gewesen.
In der Tat hatten viele Beobachter den Ausgang vor der Wahl als «völlig
offen» bezeichnet. Überhaupt kam es schon einer - wenn auch traurigen -
Sensation gleich, dass Gašparovič überhaupt in die Stichwahl einziehen
konnte. Mečiars Teilnahme an der zweiten Abstimmung hatten dagegen viele
bereits vorhergesehen. Nun votierten die Wähler wieder einmal für «das
kleinere Übel». Schuld an dem Dilemma ist ohne Zweifel die angeschlagene
Regierungskoalition, die zeitgleich mit der Präsidentschaftswahl einen
Volksentscheid über vorgezogene Parlaments-Neuwahlen wegen zu geringer
Wahlbeteiligung überlebte. Die Zerstrittenheit innerhalb der Koalition und der
Unmut über die als unsozial empfundenen Reformen schreckte vermutlich viele Wähler
ab oder ließ sie zu einem der beiden oben erwähnten Kandidaten überlaufen. Dazu kam, dass Christdemokraten und die Ungarn-Partei lieber ihren eigenen
Kandidaten aufstellten (Mikloško) als den aussichtsreichen Außenminister
Eduard Kukan zu unterstützen. Dieses muss als eine gewisse Art von
politischem Dilettantismus gewertet werden. Zumal, wenn man weiß, dass Kukan im
Ergebnis nur wegen fehlender 0,18 Prozentpunkte den Sprung in den zweiten
Wahlgang verpasst hat. Dort wäre er dann haushoher Favorit gewesen.
Aber auch die geringe Wahlbeteiligung an den Präsidentschaftswahlen von 43,5%
kann als rund für das verhältnismäßig erfolgreichere Abschneiden Mečiars
und Gašparovičs gesehen werden. Letzterem half wohl auch die Unterstützung
der zur Zeit populärsten Partei «Smer». Fragwürdig jedoch, warum
sich so wenige Slowaken für das Schicksal ihres Landes interessieren.
Nun also Gašparovič. Der neue Amtsinhaber kündigte schon einmal an, er wolle
zu einer Verbesserung der
Beziehungen zwischen Staatspräsident, Regierung und Parlament beitragen. Sein
Vorgänger Rudolf Schuster hatte in den vergangenen Jahren 150 Mal sein Veto gegen
bereits beschlossene Gesetze eingelegt. Viele Experten befürchten, dass Gašparovič
sein Amt in ähnlicher Weise ausüben könnte, zumal der Smer-Vorsitzende
Róbert
Fico äußerte, er hoffe aufgrund der Kooperation mit Gašparovič auf einen
starken Oppositionsblock.
Fazit: Die Politik in der Slowakei hat in den letzten Jahren einen
demokratischen Status erreicht, doch sind die Machtverhältnisse undurchschaubar
und können sich täglich ändern. Noch gibt es zu viele Gruppierungen und
Interessen, als dass eine Regierung solide an einem Ziel arbeiten könnte. Die
aktuelle Regierung war schon vor der Wahl wackelig. Gašparovičs Sieg hat ihre
Situation nicht verbessert. Mit der Abwendung des Referendums für vorgezogene
Neuwahlen des Parlaments, ist die Slowakei zudem an einer politischen
Katastrophe vorbei geschrammt. Ein Staat, dessen Regierung jederzeit vom Volk
durch eine direkte Abstimmung abgewählt werden kann, wäre letztlich
unregierbar. Und damit hätte die Slowakei auch im Ausland alles Vertrauen
verspielt, das sie sich in den letzten Jahren erarbeitet hatte.
Vor der Wahl
12 Bewerber stritten um die Stelle des ersten Mannes in der Slowakei. Zu den aussichtsreichen Kandidaten zählten neben Außenminister
Eduard Kukan auch der ehemalige Präsident

Vladimir Mečiar sowie Amtsinhaber
Schuster. Bei der kleinen Abstimmung auf Slowakei-Net.de konnte Schuster
knapp ein
Drittel der Stimmen auf sich vereinen während Kukan mit rund 18% und Mečiar
mit knapp 10% relativ abgeschlagen waren. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ
war, so wird doch deutlich, dass Schuster hierzulande großes Vertrauen genießt.
In der Slowakei ist dies jedoch anders. Vor allem die jungen Wähler sehen in ihm in erster
Linie ein ehemaliges KP-Mitglied. Eduard Kukan wurden die besten
Chancen auf das Präsidentschaftsamt zugerechnet, kann er doch auf eine Laufbahn als
Diplomat in Washington und Äthiopien und Sambia zurückblicken. Ab 1990 vertrat
er die Tschechoslowakei in New York als UN-Botschafter und war 1994 Außenminister
der Regierung Morávčík. Seit 30.10.1998 ist er erneut Außenminister der
Slowakei. Der dritte Kandidat, Mečiar, galt als Favorit für
den Einzug in die Stichwahl der besten beiden Kandidaten. Dort wurden ihm
allerdings nur geringe Chancen zugerechnet, weil sein dortiger Gegner dann die
Stimmen der zahlreichen Mečiar-Gegner auf sich vereinen dürfte. Nach
Bekanntwerden von Gašparovičs Einzug in die zweite Runde galt die Stichwahl
dann jedoch als offen.
Folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse der kleinen Umfrage auf Slowakei-Net.de
aus dem letzten Jahr, die Zahlen der Meinungsumfragen und schließlich die
Endergebnisse.
| Kandidat |
Slowakei-Net |
Ende 2003 |
1/04 |
2/04 |
1. Wahl |
2. Wahl |
| Ivan Gašparovič |
--- * |
12,4% |
12,4% |
13,7% |
22,28% |
59,91% |
| Vladimir Mečiar |
10% |
25,7% |
18,5% |
23,1% |
32,74% |
40,09% |
| Eduard Kukan |
18% |
18,5% |
25,7% |
27,5% |
22,1% |
--- |
| Rudolf Schuster |
31% |
17,4% |
17,4% |
17,5% |
7,43% |
--- |
| František Mikloško |
6% |
4,2% |
4,2% |
4,7% |
6,52% |
--- |
| Martin Bútora |
5% |
4,6% |
4,6% |
6,1% |
6,51% |
--- |
| Ľubo Roman |
--- |
7,1% |
5,4% |
7,1% |
<1% |
--- |
| Ján Králik |
--- |
0,8% |
0,8% |
0,5% |
<1% |
--- |
| Jozef Kalman |
--- |
0,7% |
0,7% |
0,5% |
<1% |
--- |
| Stanislav Bernát |
--- |
0,2% |
0,2% |
0,4% |
<1% |
--- |
| Jozef Šesták |
--- |
0,2% |
0,2% |
0,5% |
<1% |
--- |
| Július Kubik |
--- |
0,1% |
0,1% |
0,1% |
<1% |
--- |
| Wahlbeteiligung |
|
|
|
|
47,94% |
43,5% |
* Zur Zeit des Umfrage-Starts auf Slowakei-Net.de im Jahr 2003 stand Gašparovič
noch nicht als Kandidat fest.
Rückblick: 1. Quartal 2004
Kurzinfo: Die Slowakei ist seit 29.3.2004 Mitglied der NATO.
Der Beginn des Jahres 2004 bringt in der Slowakei systembedingte politische
Probleme zutage. Da wird um die Absetzung des anerkannten Ministers Ivan Mikloš
gerangelt und Präsident Schuster will im Zuge der Präsidentschaftswahlen im
April auch ein Referendum über vorgezogene Parlamentswahlen erzwingen. Seit
Anfang Dezember 2003 sind die Machtverhältnisse in der Slowakei instabil.
Nachdem zuvor bereits drei Abgeordnete das Regierungsbündnis verlassen hatten,
sind nun weitere sieben Abgeordnete unter Führung des ehemaligen
Verteidigungsministers Šimko aus der Partei SDKU ausgetreten. Diese Gruppe will
offensichtlich den Rücktritt von Ministerpräsident
Mikuláš
Dzurinda erreichen, für den die Luft in der Tat
immer dünner wird, denn die Regierung verfügt jetzt nur noch über 68 der 150
Abgeordneten. In den wichtigsten Reformabstimmungen hatten die ehemaligen
Koalitionäre unter ihrem Vorsitzenden Šimko, die jetzt als «Freies
Forum» antreten, zwar mit dem Regierungsbündnis gestimmt, doch die Forderungen
nach einem Rücktritt Dzurindas wurden kürzlich erneuert, als über die
Aufnahme der neuen Partei in das Regierungsbündnis
diskutiert wurde. Das mögliche Misstrauensvotum gegen Finanzminister Mikloš würde
Dzurinda noch mehr unter Druck setzen.
Derweil unterstützt Robert Fico von der oppositionellen Partei
Smer,
die in den Umfragen zur Zeit mit 26,5% die stärkste Kraft ist, die Idee von Präsident
Schuster, die Slowaken am 3.4.2004 abstimmen zu lassen, ob es vorgezogene
Parlamentschaftswahlen geben soll. Smer wäre jedoch neben der neuen Šimko-Partei
die einzige Partei, die für eine Regierungsbeteiligung in Frage käme. So
gesehen spricht derzeit vieles für vorgezogene Parlamentswahlen. Experten
glauben jedoch, dass das Referendum an einer zu geringen Wahlbeteiligung
scheitern wird, weil die Bevölkerung mögliche Neuwahlen nicht als die Lösung
der aktuellen politischen Probleme ansieht.
Trotzdem bleibt das Regierungsbündnis einstweilen auf wackeligen Füßen. Schon während
der letzten Legislaturperiode zerfiel eine der Regierungsparteien unter
Ministerpräsident Dzurinda. Im Jahr 2000 gründete Dzurinda nach einem Streit
innerhalb der KDH die Partei SDKU. Diesmal könnte Dzurinda zum Leidtragenden
einer Abspaltung werden, zumal die oppositionellen Parteien Smer und HZDS in der
momentanen Wählergunst die ersten beiden Plätze belegen, während im
Regierungsbündnis zur Zeit ausgerechnet die Partei der ungarischen Bevölkerungsminderheit
(SMK) am besten abschneidet.
Flat Tax
Nachdem zu Jahresbeginn die «Flat-Tax» von 19% auf alles
(Einkommens-, Körperschafts- und Umsatzsteuer) eingeführt
worden war, wurden auch die Gesetze der Sozialversicherung geändert.
Arbeitslose erhalten nun nur noch 6 Monate lang 50% ihres Gehalts, jedoch nur
dann, wenn sie innerhalb der letzten vier Jahre drei Jahre erwerbstätig waren.
Kranke erhalten in den ersten drei Tagen ihrer Krankheit nur noch 25% ihres
Gehalts, danach 55%. Das Rentenalter wird schrittweise auf 62 Jahre
heraufgesetzt und die Rentenfinanzierung wurde geändert: Jeder Neuling auf dem
Arbeitsmarkt zahlt seine Versicherungsbeiträge zur Hälfte in private und
staatliche Vorsorge. Bei den restlichen Arbeitnehmern ist der Umstieg in das
neue System freiwillig. Die Finanzierungslücke, die in der staatlichen Vorsorge
entsteht, weil junge Menschen nur noch die Hälfte ihrer Beiträge in das System
einzahlen, will die Regierung mit Erträgen aus der Privatisierung decken.
Die Flat-Tax ist inzwischen teils heftiger Kritik ausgesetzt, weil damit die
Mehrwertsteuer um 5% angestiegen ist. Damit werden Produkte des täglichen
Bedarfs (Lebensmittel) aber auch Mieten und Dienstleistungen erheblich teuerer,
was vor allem die niedrigen Einkommen belastet, die aus der geringeren
Einkommenssteuer keine Vorteile haben. Dagegen profitieren vor allem
Spitzenverdiener mit einem bisherigen Höchststeuersatz von 38% und Unternehmen
mit einem bisherigen Steuersatz von 25%. Geringverdiener müssen bei der
Einkommenssteuer sogar mehr bezahlen als bisher, denn der Eingangssteuersatz lag
vor der Reform bei 10%. Um die Belastungen der Geringverdiener ein wenig zu
mildern gibt es jedoch einen relativ hohen Freibetrag von 6.732 SKK (ca. 165
Euro). Zum Vergleich: das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei ca. 13.000
SKK (ca. 320 Euro). Immerhin: Der Einheitssatz macht die Steuerhinterziehung
schwieriger.
Die Flat-Tax soll auch dazu führen, dass jährliche Staatsdefizit in den
Bereich der nach den Maastricht-Kriterien zulässigen 3% zu drücken. Die
Slowakei will bis 2008 den Euro einführen. Doch den Menschen im Osten der
Slowakei sind diese Ziele zu abstrakt. Für manchen geht es dort um die bloße
Existenzsicherung. Bei zum Teil über 30% Arbeitslosigkeit und geringer
Einkommen werden hier die Reformen als besonders hart empfunden, da sie sich in
erster Linie durch die Erhöhung der Mehrwert- und Energieverbrauchssteuern
ausdrücken. Und die Ansiedlung ausländischer Investoren wird im Osten des
Landes wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen.
Rückblick 2003: EU-Beitritt, Krieg gegen den Terror,
etc.
Dezember: Slowaken können seit Dezember visafrei in die Republik Irland
einreisen. Zudem wurde im Dezember ein Generalkonsulat in New York eröffnet. Im
Sommer 2004 soll ein weiteres Konsulat in Los Angeles folgen.
Oktober: Regierungschef Dzurinda fordert beim EU-Ministertreffen in Rom fünf Änderungen
an der EU-Verfassung: die Erhaltung des Rechts auf einen eigenen EU-Kommissar,
die Änderung des Abstimmungssystems zugunsten der kleineren Staaten, Erreichen
eines Vetorecht, Klärung der Rotation des EU-Vorsitzes und die Erwähnung
christlicher Werte in der EU-Präambel. Insbesondere die Änderung des
Abstimmungssystems und das Erreichen eines Vetorechts dürften jedoch wohl kaum
durchzusetzen sein.
Die Demokratische Union hat den 28.10. als neuen Staatsfeiertag vorgeschlagen.
Am 28.10.1918 entstand die Tschechoslowakische Republik. Auch in Tschechien ist
der 28.10. ein Feiertag. Sollte der neue Feiertag eingeführt werden, wird
entweder der 1.5. oder ein kirchlicher Feiertag gestrichen, da die Slowakei mit
fünf Staatsfeiertagen und 10 Ruhetagen bereits zu den Staaten mit der höchsten
Anzahl von Feiertagen gilt.
April:
Mikuláš Dzurinda und
Rudolf Schuster
unterzeichneten am 16.4. in Athen den EU-Beitrittsvertrag für die Slowakische
Republik. Die meisten Parteien der Slowakei reagierten darauf erwartungsgemäß
mit positiver Zustimmung. Aus diesem Anlass trafen der slowakische
Justizminister Daniel Lipsic und sein tschechischer Kollege Pavel Rychetsky
zusammen, um eine Anpassung der Rechtsnormen an das EU-Recht abzustimmen. Beide
Staaten verfügen ja noch immer über ein in weiten Teilen identisches
Rechtssystem.
Februar: Der Irak-Krieg beherrschte das Tagesgeschehen. Die Regierung der Slowakischen
Republik fuhr einerseits einen pro-amerikanischen Kurs, hielt sich andererseits
beim Thema Irak-Krieg zurück. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen war die überwiegende Mehrheit der Slowaken, nämlich ca. 90%, gegen
einen Irak-Krieg, zum anderen wollte die Regierung auch ihre künftigen
EU-Partner, allen voran den größten Handelspartner Deutschland, nicht vor den
Kopf stoßen. Eine Zwickmühle, denn auf der anderen Seite will sich die
Slowakei auch als treuer NATO-Bündnispartner profilieren. Das schnelle Ende des
Irak-Krieges könnte die slowakische Regierung aus der Bredouille befreien, denn
die Zustimmung für den NATO-Beitritt bröckelte während des Krieges. Nur noch 46% der Slowaken
waren zuletzt für einen NATO-Beitritt, 48%
dagegen.
Rückblick, Ende 2002: Die Slowakei auf dem Weg in die EU
Mikuláš Dzurinda steht vor schweren Aufgaben:
Die Arbeitslosigkeit ist seit 1999 um über drei Prozent gestiegen,
Schwarzarbeit und Korruption steigen, auf dem Arbeitsmarkt und in der
Wirtschaftsstärke herrschen starke regionale Unterschiede und das momentane
Haushaltsdefizit könnte den EU-Beitritt zum Scheitern bringen. Nun hat die neue
Regierung schmerzhafte Reformen angekündigt. Ein eiserner Sparkurs soll die
Slowakei in die EU führen. Dies wiederum wurde von der EU sehr positiv
aufgenommen, auch wenn Eric van Linden, der Leiter
der EU-Vertretung in Bratislava, Reformen in den Bereichen Justiz und Verwaltung
fordert und den Kampf gegen die Korruption anmahnt.
Experten gehen davon aus, dass der harte Sparkurs in der Bevölkerung auf
Widerstand stößt. Vor allem bei den Bevölkerungsteilen, die Entlassung oder
Verlust von Begünstigungen befürchten muss. Betroffen sein werden in erster
Linie Staatsbedienstete, Lehrer, Ärzte und Sanitätspersonal.
Unterdessen wird die schnelle Einigung der Regierungsparteien auf eine
Koalitionsvereinbarung als gutes Zeichen gewertet. Vor vier Jahren gingen mehr
als ein Monat ins Land, bis Dzurinda mit einer Minderheitsregierung drohen
musste, um die Koalition auf eine gemeinsame Linie einzuschwören. In der Folge
gab es jedoch Zerwürfnisse zwischen den Regierungsparteien und Mitte 2000 löste
Dzurinda gar seine eigene Partei, die SDK, auf und gründete die heutige
Regierungspartei SDKU. Insofern ist in dieser Legislaturperiode eine stabile
Regierung zu erwarten, da alle Koalitionsparteien ähnliche Ziele verfolgen.
Einzige Überraschung war in diesem Zusammenhang der Verzicht der SMK auf eine
Entschädigung der ungarischen Bevölkerung für die 1945 erfahrene Verfolgung
im Zusammenhang mit den Beneš-Dekreten. Doch der Verband der slowakischen
Ungarn hat bereits angekündigt, sich mit dieser Übereinkunft nicht zufrieden
zu geben. Mindestens eine Erklärung der politischen Führung der Slowakei, die
die den Ungarn zugewiesene Kollektivschuld aufhebt, sei erforderlich.
Außenpolitisch steht die slowakische Regierung dagegen nach wie vor glänzend
da. Lob von EU und NATO, Lob von Vladimir Spidla, dem tschechischen Ministerpräsidenten.
Dieser bezeichnete die tschechisch-slowakischen Beziehungen als «nach wie vor
ausgezeichnet» - und will die Aufnahme der Slowakei in die NATO unterstützen.
Unterdessen jedoch ist die Zustimmung zum NATO-Beitritt in der Bevölkerung auf
52% abgeschmolzen.
Rudolf Schuster, der Staatspräsident der
Slowakei, versucht derweil Partner für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zu
finden und verhandelte deshalb mit dem libanesischen Präsidenten Emile Lahoude.
Außerdem traf er mit dem ehemaligen UNO-Generalsekretär Butrus Butrus Ghali
zusammen.
Rückblick, November 2002: Regierungsbildung und anstehende Aufgaben
Der neue Nationalrat steht. Die Vorsitzenden der Parlamentsparteien
Mikuláš
Dzurinda (SDKU), Bela Bugar (SMK), Pavol Hrušovský
(KDH), Pavol Rusko (ANO),
Vladimír
Mečiar (HZDS), Róbert Fico (Smer) und Jozef Sevc
(KSS) haben sich auf die Zusammensetzung der neuen
Regierung geeinigt. Diese wird 16 Mitglieder haben, davon entfallen 6 Mandate
auf die SDKU, 4 erhält die SMK und KDH sowie
ANO erhalten je 3. Die SDKU, stärkste Partei der Koalition, wird die
Ministerien für Finanzen, Verteidigung und Äußeres erhalten. Mikuláš
Dzurinda wird erwartungsgemäß weiterhin Premierminister bleiben.
Außenminister bleibt
Eduard Kukan. Damit ist für die NATO und auch die EU
sichergestellt, weiter mit berechenbaren und bekannten Größen zu verhandeln.
Finanzminister wird Ivan Mikos, der Posten des Verteidigungsministers wurde Ivan
Simko zugesprochen.
Die Koalitionsparteien einigten sich auf den Christdemokraten Pavol
Hrušovský als Nationalratsvorsitzenden. Zu stellvertretenden Vorsitzenden
wurden Bela Bugar (SMK), Zuzana Martinakova (SDKU),
Pavol Rusko (ANO) und Viliam Veteska (HZDS)
ernannt. Die Christdemokratische Bewegung (KDH) darf zudem den neuen
Innenminister stellen. Die Partei nominierte Vladimir Palko für dieses Amt. Daneben
wird die KDH die künftigen Schul- und Justizminister stellen. Der erst
29-jährige künftige Justizminister Daniel Lipsic ist der jüngste Minister in
der noch jungen slowakischen Geschichte. Die Ungarische Koalition (SMK) stellt
den Vizepremierminister Pal Csaky. Zudem erhält sie die Ressorts der
Regionalentwicklung, der Umwelt und der Bodenwirtschaft. Die Allianz des neuen
Bürgers (ANO) erhielt die Ministerien für Wirtschaft, Gesundheitswesen und
Kultur. Bedenklich ist in diesem Zusammenhang, dass der Parteivorsitzende Pavol
Rusko Inhaber des TV-Senders Markíza ist. Auch wenn Rusko betont, den Posten
bekäme jemand, der »nie etwas mit Fernsehen zu tun hatte«, so ist ein
Interessenskonflikt dennoch nicht ausgeschlossen.
Unterdessen lobte die NATO das Votum der slowakischen Bevölkerung. Sogar George
W. Bush griff zum Telefonhörer und gratulierte Mikuláš Dzurinda zur
Wiederwahl. Ein Novum für das kleine osteuropäische Land, das in den Augen der
USA zuvor keinerlei politische Bedeutung hatte. Mag sein, dass der drohende
Irak-Konflikt seinen Teil dazu beigetragen hat. Steht doch die slowakische
Regierung hundertprozentig hinter der Politik der USA. Ein Tatbestand, den Bush
dieser Tage in Europa nicht allzu oft antrifft.
Die slowakische Bevölkerung hat mit ihrer Abstimmung ein klares Votum abgegeben
(siehe
Wahlen 2002). Die Slowaken wollen den EU- und den NATO-Beitritt. Doch dies sind
nicht die einzigen Probleme der jungen Republik. Die nächste Regierung muss vor
allem die hohe Arbeitslosigkeit und die regionalen Unterschiede in den Griff
bekommen. Dzurinda hat noch einmal eine Chance erhalten. Die Slowaken haben bei
der Wahl klar unterschieden zwischen Reform-Bremsern und denen, die etwas
bewirkt haben. Trotzdem genießt die SDKU nicht mehr das Vertrauen von vor vier
Jahren. Ein Rückgang des Stimmanteils von über elf Prozent spricht eine
deutliche Sprache.
Es wird darauf ankommen, den Versprechungen - gerade beim Bekämpfen der
Arbeitslosigkeit - auch Taten folgen zu lassen. Da mutet es merkwürdig an, dass
die SDKU nach ersten Gerüchten auf den Posten im Ressort «Arbeit, Soziales und
Familie» verzichten will. Denn wenn der EU-Beitritt erreicht ist, wird die
Regierung an der Reduzierung der Arbeitslosenzahlen gemessen werden. Auch die
Sozialsysteme bedürfen dringenden Reformen. Ferner muss der Standard beim
Gesundheits- und Schulwesen verbessert werden und im Bereich Wirtschaft steht
der Kampf gegen die Korruption an.
Einfach wird es also nicht für Mikuláš Dzurinda, obwohl die Koalition nur aus
Mitte-Rechts-Parteien mit ähnlichem Wahlprogramm besteht. Probleme bereiten könnte vor
allem die Partei des neuen Bürgers (ANO) unter Pavol Rusko, dem Besitzer des Privatsenders
Markíza,
der die Regierungsparteien im Wahlkampf scharf angriff. Nun möchte er zwar
Kompromisse eingehen und den Wählerwillen berücksichtigen, kündigte jedoch
schon mal an, die Regierung zu verlassen, sollte das Regierungsprogramm nicht
umgesetzt werden. Auf diesem Weg könnte Róbert Fico mit seiner Partei Smer
doch noch in die Regierung kommen. Doch das würde die Aufgabe für Dzurinda
nicht einfacher machen, auch wenn es eines der großen Talente Dzurindas ist,
eine Koalition auch in schwierigen Situationen zusammenzuhalten. Die erste
Klippe hat er schon bei den Koalitionsverhandlungen umschifft: Die Beneš-Dekrete
werden in dieser Legislaturperiode kein Thema sein!
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Letzte Änderung: 10.1.2010