Slowakei - Wirtschaft

Die Wirtschaft der Slowakei befindet sich im Umbruch. Zu Zeiten der Tschechoslowakei waren in der Slowakei die Metallindustrie, die chemische Industrie, die Rüstungsindustrie und die energieerzeugende Industrie die Säulen der Wirtschaft. Die Slowakei galt als Waffenschmiede des Warschauer Pakts. Rund 60% der der unter dem Begriff Maschinenbau zusammengefassten Unternehmen gehörte zur Waffenindustrie. Dies änderte sich seit dem Umbruch im Jahre 1989 grundlegend. Der Dienstleistungssektor hat in den Jahren nach 1991 stark zugelegt, ging aber Ende der 90er Jahre wieder leicht zurück. Die Industrieproduktion sank von 61% des BIP im Jahre 1991 auf 24,3% im Jahre 2000. Inzwischen bewerten Experten das Risiko einer Kapitalanlage in der Slowakei wesentlich niedriger als noch vor dem NATO-Beitritt. 

In den vergangenen Jahren siedelten sich vermehrt Automobilunternehmen mit ihren Produktionsstätten in der Slowakei an, was auf großzügige Finanzförderungen der slowakischen Regierung zurückgeführt wird. Aber auch die sogenannte «Flat Tax» zieht immer mehr Unternehmen an. Das weckte in Österreich Befürchtungen, dass sich zahlreiche Firmen mit ihrer Osteuropa-Zentrale aus Wien gen Bratislava verabschieden. Bratislava ist nach Prag die zweitreichste Wirtschaftsregion der neuen EU-Beitrittsländer. Kaufkraft und Produktivität liegen dort exakt im EU-Schnitt! Allerdings bieten sich Großkonzernen, die mehrere Tausend Beschäftigte benötigen, rund um Bratislava kaum noch Arbeitskräfte. Zuletzt siedelten sich deshalb mit PSA Citroen, KIA und Volkswagen (bereits vor einigen Jahren mit einem zweiten Standort) drei Automobilkonzerne in Trnava, Žilina und Martin an.

Warum aber ist der slowakische Markt plötzlich so populär? Vor allem die folgenden drei Gründe (in der Reihenfolge der Wichtigkeit) geben Aufschluss über die Motivation der Investoren:

1.) Günstiges Verhältnis zwischen Preis und Qualität der Arbeitskraft gegenüber der Produktivität
2.) Günstige geografische Lage mit sehr gutem Zugang zu wichtigen Wachstumsmärkten
3.) Günstige Steuerbelastung

Am 1. Januar 2009 wurde in der Slowakei der EURO eingeführt. Der offizielle Wechselkurs betrug 30,126 Kronen je Euro. Damit war die Slowakei das vierte neue EU-Land nach Malta, Slowenien und Zypern, das der EURO-Zone beigetreten ist. 
Information für die Wirtschaft:  

 Die Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer (DSIHK) ist der offizielle Vertreter der deutschen Wirtschaft in der Slowakei (AHK Slowakei).

Auch die  Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Wirtschaftvereinigung e.V. bietet auf ihrer Website viele nützliche Hinweise und vermittelt Unternehmen, die Kooperationspartner suchen.

 Die AZZZ liefert auf ihrer Website Kontaktmöglichkeiten und Informationen zu ihren Mitgliedern aus Industrie, Verkehr, Agrarwirtschaft, Genossenschaften, Finanzsektor, Verbände der kleinen und mittelständischen Unternehmen und der Gemeinden. 

Auf Slowakei-Net.de finden Sie außerdem einen Überblick über  Daten & Fakten der Slowakei. In der Rubrik  Adressen werden außerdem alle wichtigen Kontaktadressen genannt.
Viel zugetraut hatte man dem kleinen Bruderstaat Tschechiens Anfang der 90er Jahre nicht. Zu abhängig schien die Slowakei von dem wirtschaftlich besser entwickelten Tschechien, denn das Geld für die Entwicklung moderner Strukturen, Technologien und anderer Entwicklung war stets in die tschechische Teilrepublik geflossen. Zuletzt war gerade das der Grund für die Trennung gewesen. Selbstständig wollte man in eine bessere, unabhängige Zukunft steuern. Was sowohl inländische als auch ausländische Experten als unrealistisch einstuften, wird nun Schritt für Schritt Realität.

Vor allem der politische Wechsel im Jahre 1998 hat den Weg für ausländische Investitionen frei gemacht, ein Faktor, der für den Arbeitsmarkt der Slowakei und damit auch für die Nachfrage im Land von großer Bedeutung ist. Die Regierung änderte das Einkommenssteuergesetz und traf weitere politische und wirtschaftspolitische Entscheidungen wie die Förderung von Unternehmensgründungen in strukturschwachen Gebieten, die Annäherung des Rechtssystems an das EU-Recht, die Angleichung der Einkommens- und Mehrwertsteuersätze sowie der Abschreibungsmodalitäten an die EU-Gegebenheiten. Weiterhin liegt ein großes Bestreben am Abbau investitionshemmender Faktoren wie die langen Genehmigungsverfahren beim Grundstückerwerb und dem Immobilienbau.

Die Verbesserung der Infrastruktur, die mit der Teilprivatisierung und Modernisierung der Telekommunikation (durch die Deutsche Telekom) im Jahr 2000 ihren Anfang nahm, soll fortgesetzt werden. Autobahnen und Schnellstraßen werden erweitert. Die Sanierung des Bankensektors soll ein weiterer Faktor für das wirtschaftliche Gleichgewicht in der Slowakei werden.

In den vergangen Jahren wuchs das Bruttoinlandsprodukt von 1,3% (1999) auf 4,4% (2002). Die Inflationsrate war 2000 wieder auf 12,1% gestiegen, seitdem aber auf 2,8% (2007) gefallen. Der Anstieg der Auslandverschuldung wurde abgebremst, der Export wurde gesteigert und auch die Auslandsinvestitionen stiegen 2000 um 2,13 Mrd. Euro, davon 49% aus Deutschland. 2004 betrug das Wirtschaftswachstum 5,1%, 2007 waren es 10,4%, 2008 ca. 7%. Für 2009 wird eine deutliche Verlangsamung des Wachstums erwartet.

Auch die Slowakische Krone legte gegenüber dem Euro bis zur Euro-Einführung in der Slowakei am 1. Januar 2009 kräftig zu. Bekam man für umgerechnet einen Euro am 1.1.2000 noch 42,50 SKK und waren es bei der Euro-Einführung in Deutschland am 1.1.2002 sogar knapp 43 SKK, so lag der offizielle Wechselkurs am 1. Januar 2009 bei nur noch 30,126 Kronen (siehe auch  Entwicklung des Euro-Kurses). 

Auch 2009 sind die regionalen Unterschiede das größte Problem der Slowakei. Während in der Hauptstadt Bratislava die Arbeitslosenquote unter 5% liegt und sich für qualifizierte Tätigkeiten kaum noch Arbeitskräfte finden lassen, erreicht sie im strukturschwachen Osten des Landes über 30%. Das liegt unter anderem daran, dass sich ausländische Investoren vornehmlich im Westen des Landes und dort vor allem in Bratislava niederlassen - rund 60% der ausländischen Direktinvestionen flossen in den vergangenen Jahren in diese Region. Die OECD berichtet Anfang 2004, dass nur 57% der Arbeitsfähigen einer geregelten Tätigkeit nachgehen, 39% der schlecht ausgebildeten Erwerbsfähigen und 37% der Schulabgänger keine Arbeit haben, 25% der 15- bis 19-jährigen weder zur Schule noch zur Arbeit gehen und 80% der über 55-jährigen Erwerbsfähigen ohne Job sind. Mittelfristig darf jedoch auch mit einer Ansiedlung von Unternehmen in den strukturstärkeren Gebieten der Nord- und Ostslowakei gerechnet werden. Schon jetzt bestehen Zweifel, ob ausländische Neuinvestoren im Westen allerorts die nötige Zahl an Fachkräften finden. Vorerst jedoch liegt der Fokus der ausländischen Unternehmen noch in dieser Region. Die Gesamtarbeitslosigkeit lag seit Ende 2008 ca. 10%.

Als problematisch wird in diesem Zusammenhang vor allem die Tatsache angesehen, dass die Eigentumsrechte der kleinen slowakischen Unternehmen weit weniger geschützt werden als die der ausländischen Konzerne. Sie erhalten weniger Vergünstigungen und müssen deshalb Arbeitnehmer entlassen, zudem sind die Schwerindustrie- und Chemieunternehmen im Osten marode, so dass dort neben schweren Umweltbelastungen weitere Unternehmensschließungen zu befürchten sind. Auf der anderen Seite muss die Arbeitslosenquote relativiert werden, denn das Sozialversicherungssystem bietet keine Anreize für die Schaffung von Beschäftigung. So arbeitet rund ein Drittel der Arbeitslosen schwarz, davon ein guter Teil selbstständig. Die OECD sieht hier vor allem die reichliche Unterstützung der Langzeitarbeitslosen als Wurzel des Übels, da diese die Arbeitslosen verleitet, nebenher schwarz zu arbeiten und die Gelder ohne Prüfung weiter zu beziehen. Staatliche Vorgaben an Unternehmen, wie die Pflicht zur Beschäftigung einer Buchhaltungskraft, sind weitere Hemmnisse beim Aufbau vor allem von Kleinstunternehmen. 

Ein slowakischer Durchschnittslohn betrug im Jahre 2007 ca. 600 Euro/Monat (2003: 350 Euro). In Bratislava und Umgebung liegt der Durchschnittslohn rund ein Drittel höher, während er in der östlichen Region Prešov etwa ein Viertel niedriger liegt. Allerdings fällt der Unterschied wesentlich gravierender aus, wenn man die ärmsten Bezirke mit der Hauptstadt vergleicht. Dabei schneidet Bratislava doppelt so gut ab, wie die besagten Bezirke.

Das EU-Statistikamt Eurostat hat Ende 2003 Zahlen veröffentlicht, nach denen die Slowaken nach Litauen den zweitniedrigsten Mindestlohn in der künftig erweiterten EU haben werden. Der Mindestlohn beträgt in der Slowakei beträgt 40% des Durchschnittslohnes. Das sind zur Zeit 5.570 SKK (rund 135 Euro). Gewerkschaften forderten bereits eine Erhöhung des Mindestlohnes um 20%, Wirtschaftsexperten lehnen dies ab und argumentieren mit dann notwendigen Entlassungen. Die Slowaken geben 33% ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Im Vergleich: In Deutschland belaufen sich die Ausgaben für Lebensmittel auf 11%. Dafür bezahlen die Slowaken im Verhältnis weniger für das Wohnen und die Mobilität.

Auch in der Slowakei gibt es seit 2004 höhere Pauschal-Zuzahlungen bei Medikamenten und für Dienstleistungen im Gesundheitswesen. Wie hierzulande stecken die Krankenkassen in finanziellen Schwierigkeiten und haben sogar Schulden bei den Apotheken. Als Folge warnen die Apotheken vor finanziellen Engpässen bei der Bestellung neuer Medikamente. Bereits heute muss ein slowakischer Bürger im Krankenhaus seine Medikamente meist selbst zahlen.

Immerhin: Die gestiegene Binnennachfrage stärkte, ausgelöst durch die gestiegenen Reallöhne, zuletzt die Konjunktur. Und auch der EU-Beitritt im Mai 2004 wird von vielen Bürgern der Slowakischen Republik positiv gesehen. Allerdings stiegen die Verbraucherpreise zwischen 2000 und 2007 um 42%. Dabei ist vor allem der exorbitante Anstieg der Energiepreise zu nennen der im gleichen Zeitraum rund 115% betrug. Auch die Euro-Einführung ließ die Preise nochmals nach oben klettern.

Seit 2004 gilt die Flat Tax von 19% für Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer. Erbschafts- und Schenkungssteuer wurden gestrichen. Treibstoffe und Erdöl wurden seitdem stärker besteuert. Nötig geworden war die Reform auch durch die immer höher werdende Steuerhinterziehung, die durch die untransparente Legislative, den Mangel an Steuerbeamten und die Verabschiedung immer neuer Steuergesetze begünstigt wurde. So hatten viele Unternehmer ihre Gewinne in Steueroasen überführt. 

Der Steuerreform wurden unter anderem die Neuansiedlung vor allem der Automobilindustrie zugerechnet. Volkswagen steigerte seine Produktion in Bratislava und PSA Peugeot Citroen eröffnete ein neues Werk in Trnava. Bereits jetzt kann man davon ausgehen, dass die Slowakei in den nächsten zwei Jahren - im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl - zu den drei größten Automobil-Produzenten der Welt gehören wird. Nachdem sich jetzt auch KIA entschloss, sein neues Werk in Žilina zu bauen, könnte die Slowakei die Nr. 1 in dieser Branche werden. Das neue Werk wird inklusive Zuliefererfirmen 5.000 Arbeitsplätze schaffen. 700 Millionen Euro wird KIA in sein erstes Werk in Europa investieren. Im Zuge dessen wurde auch die Infrastruktur verbessert, u.a. die Fertigstellung der Autobahn bis Žilina. Experten sehen jedoch weniger in der Steuerreform als in den niedrigen Löhnen den Investitionsanreiz für ausländische Unternehmen. Nach einer Studie des Handelsblatt liegt die Slowakei deshalb ganz vorne in der Attraktivität für Neuinvestitionen unter den neuen EU-Mitgliedstaaten, vor allem für lohnintensive Massenproduktion.

Letzte Änderung: 28.8.2009
Die Slowakei im Net